Artenschutzprogramm des Verbandes Deutscher Sportfischer e.V. für die einheimischen Süßwasserfische


In Ausfüllung von § 2 Ziff. 1 b und 1 i der Verbandssatzung beschließt die VDSF-Hauptversammlung am 26.10.1979 in Bad Mergentheim folgendes:

Um dem neuesten Stand des Wissens über die Gefährdung der Fischarten Rechnung zu tragen, ist es unumgänglich nötig, dass der VDSF e.V. über die gesetzlichen und vereinsinternen Artenschutzmaßnahmen hinaus, wie Schonzeiten, Schonbezirke und Mindestmaße, ein Artenschutzprogramm für die einheimischen Süßwasserfische verabschiedet.
Mit ihm ist es möglich, wirksame Maßnahmen zum Schutz auch der Arten zu treffen, die bisher nicht gefährdet erschienen.

Um die Erhaltung aller noch auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland vorhandenen einheimischen Süßwasserfische zu sichern und darüber hinaus auch die ausgestorbenen Arten wieder einbürgern zu können, ist u.a. notwendig:

I.
Die Mitglieder des VDSF verpflichten sich, für den Artenschutz der einheimischen Süßwasserfische folgende Sofortmaßnahmen zu treffen:

1. Sie stellen die in den von ihnen bewirtschafteten Gewässern vorkommende einheimischen Süßwasserfischarten fest und ordnen sie nach Häufigkeit des Vorkommens ein.

2. Sie beachten besonders die Gewässer, die sich für die Durchführung von Artenschutzmaßnahmen eignen. Auch kleinste Gewässer sollen verstärkt in die Bewirtschaftungsmaßnahmen für den Artenschutz einbezogen werden, um auch Klein- und Kleinstfischen Lebensraum und Lebensmöglichkeit zu bieten.

3. Sie hegen und pflegen besonders die in der Roten Liste enthaltenen einheimischen Süßwasserfische gem. beigefügter Auflistung und zwar in der Reihenfolge ihres Gefährdungsgrades u.a. durch:

a) Die Planung und Durchführung von Maßnahmen im Rahmen der Jahresbesatzpläne für die gefährdeten und bedrohten Fischarten.
Hierbei müssen alle Besatzmaßnahmen auf die akute und vermutete Gesundheitslage der Fische Rücksicht nehmen. Grundsätze eines fischseuchenbiologischen Gleichgewichtes bleiben zu beachten.
Die dem Gewässer, seinem Boden und seinen Ufern inne wohnende Produktionskraft muss voll genutzt werden. Stützende Maßnahmen sind hier nur anzuwenden, wenn sie wissenschaftlich ausreichend fundiert sind.

b) Die Ausdehnung der Gewässerüberwachung und Gewässeruntersuchung auf alle Gewässer. Biologische wie chemische Untersuchungswerte sind für jedes Gewässer lückenlos zu ermitteln und aufzuzeichnen.

c) Die Befischungsarten, Befischungszeiten und die zu befischenden Gewässerteile sind auf die Erfordernisse des Artenschutzes im weitesten Sinne dieses Wortes auszurichten.

d) Die Stützung gefährdeter Bestände, Ökozellen können Überlebungsrefugien sein. Sie sind entsprechend herzurichten, zu pflegen und zu schützen.
Jede Fischart soll eine Überlebungschance erhalten. Besatzmaßnahmen sollen aus bodenständigen Formen und Arten getroffen werden. Die Bestände sollen über die Zeit hinweg in die Lage versetzt werden, sich selbst zu erhalten und zu ergänzen.

4. Wo eine natürliche Fortpflanzung der Fische nicht mehr möglich oder gefährdet ist, sollen Besatzmaßnahmen durchgeführt werden. Für die Bereitstellung des erforderlichen Besatzmaterials ist Sorge zu tragen.

5. Die Sportfischergemeinschaften sollen sich untereinander helfen, gefährdete Fischarten zu erhalten und vorhandene natürliche Lebensräume wieder aufzufüllen.

II.
Der Verband Deutscher Sportfischer e.V. und alle seine Mitglieder sind zur Unterstützung und Durchführung des Artenschutzprogramms des VDSF verpflichtet.
Als Stützungsmaßnahmen werden u.a. vorgenommen:

1. Die Berufung eines ständigen Ausschusses "Naturschutz und Fischerei", dem außer Verbandsvertretern geeignete und unabhängige Persönlichkeiten angehören sollen.

2. Die Vergabe und Unterstützung notwendig werdender Forschungsaufträge, um die Fischarten auch im ausgebauten Gewässer erhalten zu können, bzw. um festlegen zu können, wie die Förderung nach biologisch richtigem Gewässerausbau zu erfüllen ist.

3. Eine Gewässerbestands- und Fischbestandsaufnahme ist dafür zu erstellen. Notwendige Erkenntnisse daraus sind den Mitgliedern zugänglich zu machen.

4. Die Ausbildungsvorhaben für die Sportfischer, Gewässerwarte und Fischereiaufseher sind laufend auf Notwendigkeit für das Artenschutzprogramm und Erkenntnisse aus ihm einzustellen.